Umwege sabotieren deine Ziele: Wie du in deinem Buch oder Onlinekurs die Führung übernimmst

Wenn du ein Buch, E-Book oder einen Onlinekurs entwirfst, gibst du deinen Lesern und Teilnehmern einen bestimmten Weg vor. In diesem Beitrag zeige ich dir auf, welche Umwege es gibt, warum sie lästig sind und wie du sie vermeidest.

 

Schau dir das Bild zu diesem Beitrag an: Welchen Weg hättest du gewählt? Ich bin den kürzeren gelaufen, so wie viele andere vor mir auch. Als ich vor vielen Jahren lernte Parks und Grünflächen zu planen, prägte sich eine Aussage meines Dozenten besonders ein: Menschen nehmen instinktiv den kürzeren Weg! Sie laufen lieber diagonal als ums Eck.

 

Umwege sind unnatürlich

Seither beobachte ich, wie und wo Laufwege entstehen. Ich vergleiche sie mit den Wegen, die ein Planer künstlich angelegt hat. Das ruft manchmal Kopfschütteln bei mir hervor: Was auf dem Plan oder Computer schick aussehen mag, ist wider die menschliche Natur. Es ist eine Frage, die ich mir immer wieder stellte, als ich noch Stadtquartiere oder Neubaugebiete entwarf: Wird das funktionieren, so wie ich mir das vorgestellt habe?

 

Diese Frage lässt sich 1:1 auf dein Business übertragen: Wird deine Zielgruppe das annehmen, was du produzierst? Wird sie sich in deinem Buch oder Onlinekurs zurechtfinden? Wenn du dein Handeln nicht nur an deinem Können und Wollen ausrichtest, sondern auch an den Bedürfnissen deiner potenziellen Kunden, dann wird das dein Ziel sein: Den Menschen einen guten Weg anzubieten. Einen, dem sie gerne und motiviert folgen.

 

Merke dir: Wir Menschen mögen keine Umwege

Vielleicht lenkst du an dieser Stelle ein: „Oh! Wenn ich diesen oder jenen Umweg nicht gegangen wäre: Dann stünde ich nicht da, wo ich heute bin!“ Ich kenne diese Irrwege gut, die sich durch menschliche Biografien schlängeln. Diese Umwege sind lehrreich. Wir wachsen an ihnen. Doch mal ganz ehrlich: Hätten wir sie wirklich nötig gehabt? Wie oft haben sie uns Kraft gekostet, uns runtergezogen, den größten Widerstand ausgelöst!

 

Der Unterschied zu deinem Buch oder Kurs ist: Diese Umweg haben wir selbst gewählt, sie liegen in unserer Verantwortung. Bei deinem Produkt bist du die oder der Verantwortliche!

 

Versuche, das richtige Maß zu finden

Romanautoren nutzen Umwege, um Spannung zu erzeugen. Ich lehne sie ab, wenn eine gewisse Grenze überschritten wird, wenn sich das Gefühl aufdrängt, der Autor will mich künstlich vom Weg abbringen. So kann es gut passieren, dass ich sämtliche Seiten überspringe, wenn plötzlich mitten in der höchsten Spannung seitenweise detaillierter Geschichtsunterricht erfolgt.

 

Doch nun zu dir und deinen Projekten: Die brauchen weniger Spannung, als vielmehr eine Struktur, die deine Kunden trägt und sie in ihrem persönlichen oder beruflichen Entwicklungsprozess hält. Umwege entstehen dann, wenn du mehr Wissen preisgibst als deine Kunden brauchen, um voranzukommen. Ich weiß aus eigener Erfahrung: Das richtige Maß zu finden, kann für eine Fachfrau oder einen Fachmann die reinste Hölle sein!

 

Hör’ doch mal kurz in dich selber rein. Kommen dir diese Aussagen bekannt vor?

„Dieses Thema ist total wichtig! Das muss unbedingt mit rein! Ist schließlich auch mein Herzensthema ...“

 

„Ich muss meine komplette Geschichte erzählen! Sonst weiß niemand, warum alles so gekommen ist. Schließlich berechtigt mich das, diesen Kurs hier zu geben.“

 

„Der Leser muss gleich zu Anfang wissen, was ich alles weiß! Sonst wird er mir vielleicht beim Lesen vorwerfen, dass ich diese Aspekte unberücksichtigt lasse.“

 

Wie oft habe ich schon begonnen einen Blogartikel zu schreiben, mit einer ausführlichen Erläuterung, wie eins zum anderen kam. Als ich ihn fertig hatte und wieder durchlas, wurde mir klar: Das braucht der Leser überhaupt nicht, um meine Botschaft zu verstehen! Auch wenn es für mich und meine Erkenntnis wichtig war. Also löschte ich ungefähr ein Drittel des Beitrags wieder raus.

Die 5 häufigsten Umwege in Büchern und Onlinekursen

Die Grundstruktur von einem Ratgeber- oder Sachbuch ist der eines Onlinekurses sehr ähnlich. Deshalb habe ich nachfolgend 5 typische Beispiele für Umwege zusammengestellt:

 

  1. Zu viele Informationen: Das Thema ist nicht klar abgegrenzt. Das Produkt enthält Informationen und Elemente, die genügend Stoff für ein bis zwei weitere Wissensprodukte bieten würden.

  2. Unlogischer Aufbau: Der rote Faden fehlt oder das Pferd wird von hinten aufgezäumt. Leser oder Teilnehmer haben Schwierigkeiten sich zurechtzufinden und das Wissen abzuspeichern.

  3. Sich in Details verlieren: Nebenschauplätze tun sich auf, binden Aufmerksamkeit, führen jedoch nicht zum Ziel.

  4. Fehlende Verbindungselemente: Informationen oder Kurseinheiten stehen für sich, und die Leser bzw. Teilnehmer wissen nicht, warum sie von einem Punkt zum nächsten übergehen sollen.

  5. Unreflektierte Wiederholungen: Sie lassen die Adressaten sprichwörtlich im Kreis laufen.

Was bedeuten Umwege für dein Buch oder deinen Onlinekurs?

Wenn du an das Titelbild dieses Beitrags denkst, dann wird sehr deutlich: Wir haben innerlich ein Radar für Umwege. Sie erzeugen Unlust. Sie rufen Trotz hervor. Sie lassen uns eigenmächtig vom Weg abweichen.

 

Ein Umweg in deinem Buch kann bedeuten: Die Leserin oder der Leser überspringt oder überfliegt große Teile oder klappt das Buch zu und lässt es links liegen.

 

Ein Umweg in deinem Onlinekurs kann dazu führen, dass sich Teilnehmer zeitweise ausklinken, nur einen Teil bearbeiten oder ganz abbrechen.

 

Umwege können auch Verwirrung stiften und Überforderung zur Folge haben.

 

Was kannst du tun, um Umwege zu vermeiden?

Zunächst einmal sollte das Ende des Weges deutlich sichtbar sein: Welches Ergebnis stellt sich ein, wenn jemand dein Buch gelesen oder an deinem Kurs teilgenommen hat? Definiere vorher klar deine Zielgruppe, ihr Problem und deine Lösung!

 

Wenn du deine Struktur aufbaust, werden dir Themenblöcke begegnen, die dich selber stören, die du nicht richtig einordnen kannst, die du immer wieder versuchst an die „richtige“ Stelle zu verschieben. Denen schenke besondere Aufmerksamkeit:

  • Warum sind sie dir wichtig?
  • Welche Möglichkeit hast du, diese Themen auf andere Weise unterzubringen oder gar wegzulassen?

Sei kreativ!

 

Wenn es dir schwerfällt zu entscheiden, welche Informationen wichtig sind und welche nicht, dann wende folgenden Trick an: Stelle dir vor, du müsstest deine Produkte in einer fremden Sprache erstellen, die du nicht perfekt beherrschst. Worauf würdest du dich reduzieren?

 

Übe dich in Selbstkontrolle. Prüfe regelmäßig, ob du selbst noch auf deinem vorher definierten Weg bist. Hinterfrage jede Abweichung kritisch, damit du flexibel damit umgehen kannst, ohne den roten Faden zu verlieren.

 

Hole dir das Feedback von mindestens einer Person ein, der du zutraust, dass sie Umwege wahrnehmen und dich darauf aufmerksam machen kann.

 

Du hast auch die Möglichkeit mit Umwegen konstruktiv umzugehen, indem du eine umwegefreundliche Struktur schaffst: Setze offensichtliche Umwege in deinem Buch in Kästen, biete in deinem Onlinekurs einen Bereich an, wo deine Teilnehmer mögliche Umwege als Bonusmaterial vorfinden. So können deine Kunden auf dem Hauptweg bleiben und – wenn es ihnen gefällt – einen kleinen Abstecher zu deinen Geschichten, Info-Boxen oder Sonderübungen machen.

 

Auch ohne Umweg: Spannung, Spaß und Sicherheit

Auch im wahren Leben haben wir manchmal Lust, den längeren Weg zu gehen, weil wir den Park so schön finden, die Zeit für uns genießen oder etwas Bestimmtes auf diesem Weg betrachten wollen. Ein anderes Mal brauchen wir die Sicherheit eines gut ausgebauten Weges, zum Beispiel wenn es in Strömen regnet. Ist kein direkter Weg da, der uns sauber zum Ziel bringt, nehmen wir den Umweg in Kauf. Umwege können also auch Vorteile haben.

 

Mit Tipp für dich als Planerin oder Planer deines Produkts: Baue deine Struktur von vornherein so auf, dass der Weg zum Ziel der cleverste ist! Achte darauf, dass dieser Weg gleichzeitig einen sicheren Rahmen, spannende Erlebnisse und eine genussvolle Zeit bietet!

 

Hast du schon einmal Umwege in einem Buch oder Kurs erlebt? Wie erging es dir damit? Oder betrachtest du Umwege anders als ich? Deine Meinung interessiert mich. Hinterlasse mir gerne einen Kommentar dazu!

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Kommentare: 1
  • #1

    Elke Janßen (Dienstag, 14 November 2017 14:23)

    Das ist ein super Artikel und sehr hilfreich. Bin gerade in der Mittelphase meines ersten OnlineGruppenseminar- Konzept. Danke dir sehr. Vielleicht komme ich mal auf dein Powerfeedback zurück.